Alsavia

Inspiriert durch den Erfolg der Crossair wurde Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts Alsavia als elsässische Regionalfluggesellschaft gegründet. Tatsächlich stand neben elsässischen Wirtschafts- und Bankenkreisen auch die Crossair bei der Gründung Pate. Sie beteiligte sich mit 33 Prozent am Aktienkapital von 2,1 Millionen französischen Francs. Weitere Anteile entfielen auf Air France und TAT (Transport Aérien Transregional).

André Weber, der damalige Vizepräsident des Generalrates des Départements Haut-Rhin, wurde zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Nachdem die rechtlichen und finanziellen Probleme gelöst waren, konnte der Betrieb am 4. Dezember 1989 mit einer aus einer Crossair-Bestellung stammenden Saab 340B aufgenommen werden. Da alle Flüge im Auftrag der Air France ausgeführt wurden, erhielt das Flugzeug auch deren Bemalung. Geflogen wurde jeweils von Montag bis Freitag auf den Strecken ab dem EuroAirport nach Amsterdam, Milano-Linate und Barcelona. Allerdings stellte sich der erwartete Erfolg nicht ein. Nach Milano flog Alsavia in Konkurrenz mit der italienischen Aliblu, welche damals im Auftrag der Alitalia dieselbe Strecke bediente. Bereits im Mai 1990 wurde anstelle von Mailand neu Düsseldorf angeflogen. Mit einer Zwischenlandung in Strasbourg dauerte dieser Flug für den Fluggast aus der Regio jedoch zu lang.

Nachdem die Beschaffung eines zweiten Saab 340B gescheitert war, vergrösserte TAT ihren Einfluss bei Alsavia und stellte ihr zwei werksneue Embraer Brasilia zur Verfügung. Diese Maschinen kamen auf den TAT-Strecken nach Lille, Lyon, Nice und später auch Bordeaux zum Einsatz. Hochfliegende Pläne, wie etwa die Einführung von Linienflügen unter eigener Regie und der Erwerb von Regionaljets (BAe 146-200), scheiterten jedoch an der zu schmalen Kapitaldecke und den auseinander gehenden Interessen der verschiedenen Geldgeber. 

Nachdem Air France im Frühjahr 1991 ihr Engagement zurückzog, musste der Saab 340B F-GKLA an die Crossair zurückgegeben werden. Alsavia flog mit ihren beiden Embraer Brasilia nur noch im Auftrag der TAT, doch plante man auf die Sommerflugplan-Periode 1992 die Wiederaufnahme eigener Flüge nach Bordeaux, Marseille und Toulouse. Doch lediglich die Linie nach Marseille konnte realisiert werden und wurde mit einer Beechcraft 200 Super King Air geflogen. Pläne, ab Winterflugplan 1992/93 mit BAe Jetstream 31 ab dem Euroairport wieder nach Milano-Linate, Barcelona und neu auch erstmals nach Dresden zu fliegen, scheiterten vor allem an verkehrsrechtlichen Hindernissen. So verweigerten die zuständigen Behörden der Alsavia den ab dem EuroAirport erneut verwaisten Milano-Kurs, weil angeblich eine Verbindung ab dem Elsass, nämlich jene der Air France ab Strasbourg, genügen würde.

Auch die Linie nach Marseille, welche mit einem für bereits damalige Komfortansprüche ungenügend ausgerüsteten Flugzeug durchgeführt wurde, musste eingestellt werden. Das Ende der Alsavia war damit absehbar. Im Juli 1993 wurde sie durch die der TAT nahestehenden Flandre Air aufgekauft, die dabei immerhin die beiden Embraer Brasilia sowie ein Teil des Personals übernahm.

Das Experiment Alsavia ist nach kurzer Zeit an den wohl zu unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Kapitalgebern gescheitert.


Flotte:

F-GKLA Saab 340B  
F-GHAL Beechcraft B200 Super King Air  
F-GHEX Embraer EMB-120 Brasilia  
F-GHEY Embraer EMB-120 Brasilia  

Werner Soltermann