Luftfracht statt Lastwagen «dank» Streiks
1972
In Grossbritannien streiken im Januar und Februar 1972 rund 200'000 Bergarbeiter und legen mit gezielten Blockaden die Kohlekraftwerke, Kohlendepots und Häfen still. Da das Land seine Elektrizität fast ausschliesslich aus Kohlekraftwerken bezieht, kommt es auf der ganzen Insel zu einem Energiemangel und Stromabschaltungen. Hunderte Lastwagen aus ganz Europa sollten Heizmaterial ins Vereinigte Königreich bringen, verstopfen jedoch die See- und Kanalhäfen und bringen so auch die Fährgesellschaften in Not. Premierminister Edward Heath hat am 9. Februar 1972 den Ausnahmezustand ausgerufen. Was machen wir nun bei Jacky Maeder AG mit der Landung Kerzen einer im Kanton Luzern ansässigen Firma (Balthasar AG), die als Nothilfe nach Manchester soll? Bald kommt das Thema Luftfracht auf den Tisch und so steht innerhalb kürzester Zeit ein Vickers Vanguard der Invicta Air Cargo am Flughafen Basel-Mulhouse und bringt auf dem schnellsten Weg «Licht» in das dunkle Grossbritannien.
Im Herbst 1979 führen in Spanien regionale Streikwellen und ein Generalstreik im Baskenland dazu, dass während mehrerer Tage keine Lastwagen von Portugal durch Spanien fahren können. In Porto lagern allerdings zwei komplette Ladungen mit Skibekleidungen der damals angesagtesten Marke «Kispo», die im Auftrag einer Basler Firma (Hans Isler AG) dort produziert wurden. Da wegen dieses Lieferunterbruchs das komplette Weihnachtsgeschäft in Gefahr ist und die Kleider bereits an die Detailhändler verkauft sind, muss eine schnelle Lösung gefunden werden. Nach kurzer Zeit können meine Kollegen um Röbi Kägi von der Luftfrachtabteilung eine Boeing 707-320C der TAP Air Portugal chartern, so dass die Ware doch noch zu ihren Kunden kommt.
Werner Soltermann